Limarí Chile

Feuchtgebiete an der ariden Pazifikküste Südamerikas

Initiative zum Schutze der Küstenfeuchtgebiete an der ariden Pazifikküste Südamerikas und den dort vorkommenden Küsten- und Wasservögeln.

Seit 2015 engagiert sich die Manfred-Hermsen-Stiftung für den Erhalt von ökologisch sehr bedeutsamen Flussmündungen, Ästuarien, Lagunen  und Wattflächen an der ariden Küstenregion von Chile, Peru und Ecuador. Jedes dieser Feuchtgebiete hat seinen eigenen Charakter und zusammen bilden sie eine Kette überlebenswichtiger Rastgebiete für Zugvögel. 

Hintergrund
Die aride Küstenregion der südamerikanischen Pazifikküste erstreckt sich über eine Länge von ca. 4.000 km von Süd-Ecuador entlang der gesamten Küste von Peru bis nach Central Chile. Ähnlich wie an der Südwest-Küste Afrikas, Westaustraliens oder Süd- und Niederkalifornien, beeinflusst eine kalte Meeresströmung, hier der Humboldtstrom, die Bildung von sehr stabilen atmosphärischen Konditionen mit einem extrem trockenen Klima in der Region.

Im Norden der Region liegen die Tumbesischen und Ecuadorianischen tropischen Trockenwälder, welche die Mangrovengebiete des Golfes von Guayaquil umgeben. Weiter südlich, ca. ab Höhe des Flusstals des Río Piura im Norden Perus, verläuft entlang der peruanischen und nordchilenischen Küste die Region der Küstenwüsten, in deren Zentrum die Atacamawüste, die trockenste Wüste der Welt, liegt. Diese geht auf Höhe des Río Elqui Tales, im sogenannten kleinen Norden von Chile, in eine mediterrane Küstenregion über, deren native Vegetationsdecke, das chilenische Matorral und mediterraner Hartlaubwald, bis ins südliche Zentralchile verlaufen. Vereinzelt ziehen sich Flusstäler, hauptsächlich gespeist von Schmelzwasser und Niederschlägen über den westlichen Hängen der Anden, wie grüne Adern durch diese aride bis semiaride Landschaft von den Bergen abwärts zur See.

Entlang der Küste verläuft eine Kette von Küstenfeuchtgebieten, bestehend aus Lagunen, Flussmündungen, Ästuarien und Wattflächen. Als lokale Zentren der Biodiversität bilden sie einen ökologischen Korridor, der von großer Bedeutung für zahlreiche migrierende und residierende Küsten- und Wasservögel ist. 

Die Initiative
Unsere Stiftung hat 2015 in Zusammenarbeit mit der lokalen NGO CNEH die Initiative zum Schutze der Küstenfeuchtgebiete an der ariden Pazifikküste Südamerikas und der dort vorkommenden Küsten- und Wasservögel gegründet.  In der ersten Etappe wurde eine Evaluierung von 34 Küstenfeuchtgebieten in Chile und Peru durchgeführt. Diese Studie haben wir auf mehreren Veranstaltungen in der Region präsentiert und dabei ein regionales Netzwerk zum Schutze der Feuchtgebiete aufgebaut. Zusammen mit Partnern aus diesem Netzwerk wurde nun ein erster Aktionsplan zum Schutze der gesamten Kette von Küstenfeuchtgebietern entwickelt, dessen Umsetzung wir im Rahmen eines Projektwettbewerbes anstoßen möchten.

2018: Bericht zum Workshop "Aktionsplan"


Darüber hinaus ist unsere Stiftung dabei, einen Online-Atlas der gesamten Kette von Küstenfeuchtgebieten entlang der ariden und semiariden Küste von Zentral-Ecuador bis hinunter nach Süd-Zentral-Chile zu erstellen. Dieses Projekt baut auf der Arbeit der Shorebird Census und Atlanten von Peru und Chile sowie anderen bestehenden Arbeiten zu Küstenfeuchtgebieten der Region auf. Der Online-Atlas mit Profilen jedes einzelnen Feuchtgebietes, einer wissenschaftlichen Bibliothek und einer Nachrichtenplattform für den Austausch über Aktivitäten und Veranstaltungen bildet eine wichtige Wissensbasis für ein breites Sprektrum von Menschen. Er wird als unverzichtbares Kommunikationsinstrument einer wachsenden Anzahl von Fachleuten aus verschiedenen Sektoren dienen, die sich der Bedeutung für die Erhaltung dieser Gebiete bewusst werden.

Die zum Teil in ihrer Fläche sehr kleinen, aber sowohl ökologisch als auch sozio-kulturell sehr wertvollen Feuchtgebiete, sind einem ständig wachsenden anthropogenen Druck ausgesetzt und dazu besonders gefährdet durch den Klimawandel. Zu den größten Bedrohungen gehören die intensive Landwirtschaft, Industrieanlagen, Bergbau, Entwicklung von Immobilien und Hotelanlagen, Entladen von Müll, invasive Arten, unkontrollierter Tourismus und Freizeitaktivitäten wie Geländemotorsport. Direkte Auswirkungen dieser Bedrohungen sind Wassermangel, Verunreinigung, die Umwandlung von Feuchtgebieten und Störung der heimischen Flora und Fauna. Hinzu kommt der Klimawandel, der sich in der Region durch das Abschmelzen der Gletscher in den Anden und Veränderungen von Niederschlagsmustern auf den gesamten Wasserhaushalt stark auswirkt und zudem die Feuchtgebiete durch den ansteigenden Meeresspiegel und Stürme bedroht.