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Moore in Osteuropa

Initialzündung für großflächigen Moor- und Klimaschutz

Die Moore Osteuropas gehören mit einer Größe von rund 280.000 Quadratkilometern weltweit neben dem Amazonaswald, den Regenwäldern Indonesiens und der kanadischen Tundra zu den wichtigsten Kohlenstoff speichernden Ökosystemen der Welt. Allein im europäischen Teil Russlands liegen 20 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Torf der Moorböden gelagert.
Das angrenzende Weißrussland hat zudem noch 1,3 Milliarden Tonnen anzubieten und zusammen mit dem moorreichen nördlichen Teil der Ukraine zählen die drei Länder zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern. Zugleich gehören aber diese Moore auch zu den größten Kohlenstoffemittenten. Das europäische Russland liegt weltweit gleich hinter Indonesien an zweiter Stelle im Ausstoß von Kohlenstoff aus Moorböden. Wiedervernässung und adäquates Management sind dringend erforderlich und ein besonders lohnendes Instrument in der Einsparung des Ausstoßes von Klimagasen.

Hintergrund

Moore dienen in vielerlei Hinsicht dem Umwelt- und Naturschutz. Vor allem sind sie ein idealer Kohlenstoffspeicher. Nach Joosten (2009):

  • Moore sind die raumgünstigsten Speicher von Kohlenstoff in allen terrestrischen Lebensräumern.
  • In der borealen Zone enthalten Moore siebenmal mehr Kohlenstoff pro Hektar als andere Lebensräume, Moore in den Tropen bis zu zehnmal mehr.
  • Obwohl sie nur 3 % der Erdoberfläche bedecken, enthalten Moore 500 Gigatonnen Kohlenstoff in ihrem Torf. Dies entspricht 75 % des Kohlenstoffs in der Luft oder zweimal so viel wie in allen Wäldern der Erde zusammen.
  • Wenn entwässert, werden Moore heftige Quellen von Kohlendioxid und Stickoxiden.
  • Weltweit produzieren degradierte Moore > 2 Gigatonnen CO2 pro Jahr.
  • Entwässerte Moore (0,3 % der Landfläche) sind für 6 % des von Menschen verursachten CO2-Ausstoßes verantwortlich.
  • Moore dienen als wichtige Wasserspeicher in trockenen und nassen Zeiten.
  • Moore haben zudem eine hohe Wasserfilterfähigkeit.
  • Moore sind in ihrem natürlichen Zustand besonders reich an oft seltenen Tier- und Pflanzenarten.

Projekt
Mit der Unterstützung einer Studie der englischen Naturschutzorganisation RSPB hat die Manfred-Hermsen-Stiftung maßgeblich dazu beigetragen, dass die Bundesregierung seit 2008 in großflächigem Umfang die Wiedervernässung von Mooren in Osteuropa finanziert.

Die Studie gibt Auskunft über Zustand, Verfügbarkeit und die CO2-Bindung osteuropäischer Moore. Sie war eine wichtige Voraussetzung für die zügige Umsetzung mehrerer Moorrenaturierungen in Weißrussland und der Ukraine. Mit insgesamt rund 7 Millionen Euro unterstützt nun die Bundesregierung großflächige Wiedervernässungsprojekte in den beiden Ländern. Allein in Weißrussland wurde mit der Vernässung von 10.000 Hektar begonnen. Zusätzlich sind weitere Moorschutzprojekte angestoßen worden. 

Gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) unterstützt die Manfred-Hermsen-Stiftung z.B. ein Wiedervernässungsprojekt im Beloveshskaya Pushcha National Park in Weißrussland. Die Wiederinstandsetzung der hydrologischen Bedingungen wird hier als höchste Priorität der Naturschutzaktivitäten eingestuft. 

Weitere Projektanträge liegen zur Prüfung vor. Zurzeit läuft eine ebenfalls von der Bundesregierung geförderte Machbarkeitsstudie für das benachbarte europäische Russland.